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Es ging nun rasch weiter. An einem Berberdorf, dass zwischen hohen Dünen lag machten wir noch einen kurzen Fotostop. Ich verteilte an die Kinder, die sofort heranströmten Bonbons, aber eine Frau schmiss welche aus dem Bus und dann fing eine große Klopperei an. Ich fand das nicht gut.

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Berberdorf

Wir fuhren weiter, aber der nächste Stop ließ nicht lange auf sich warten. Eine Fotopause war angesagt. Was breitete sich da zu unseren Füßen aus?


 

Ansicht von Volubilis

Volubilis eine von den Karthagern gegründete und von den Römern übernommene antike Stadt, die wir anschließend besichtigen wollten. Sieht es nicht aus, als befinde man sich in der Toscana? Auch die Luft war frisch und doch mild; ich musste ständig an die Toscana denken.

Die Stadt ist nicht so gut erhalten wie Pompeji. Sie war ja dem Zahn der Zeit ausgesetzt und auch dem Moulay Ismail, der sich viele Säulen und andere Bauteile für die Erbauung und Verzierung von Meknes dort geklaut hat. 


 

Es sind aber noch sehr viele schöne Mosaikfußböden erhalten, die ich aber hier natürlich nicht alle zeigen kann. Das würde diesen Reisebericht zu groß machen. Hier nur zwei der schönsten.


 

Wir besichtigten die unterirdischen Wasser- und Abwasserleitungen, die ja von den Römern mit großem technischem Verständnis angelegt wurden. Man hatte damals schon runde Kanaldeckel, allerdings aus Stein mit einem Schlitz in der Mitte, durch den das Wasser abfließen konnte. 

Auch einige Bäder waren noch sehr gut erhalten. Anschließend ein Bild, auf dem Irmgard und ich ein Bad, - leider ein trockenes - nehmen.


 

Wie ihr seht waren wir sehr vergnüglich. Es sieht fast so aus, als hätte ich keine Brille auf, aber ich habe eine neue und die hat nicht mehr einen so dicken schwarzen Rand wie die letzte.

Hier mussten wir auch nicht unbedingt immer zusammenbleiben. Man konnte etwas herumstreunen und einige Sachen, die einen besonders interessierten länger betrachten und fotografieren. Die Gegend ist dort so übersichtlich, dass man sich nicht verlieren konnte. Insgesamt hatten wir für die Besichtigung 1 ½ Stunden Zeit. Das war eigentlich viel zu kurz, aber man konnte sich doch einen guten Überblick verschaffen und war nicht so gehetzt, wie bei den Führungen durch die Medinas oder Medinen oder wie?

Jetzt noch ein besonders schönes Bild, das mich wieder ungeheuer an die Toskana erinnert.


 

Das einzig Unangenehme dort waren Fotografen, die ständig hinter uns her waren und knipsten, was das Zeug hielt. Ich versuchte mich immer zu verstecken, indem ich mich an der Nase kratzte und mit der Hand das Gesicht verdeckte oder die Kamera vors Gesicht hielt oder einfach nur hinter anderen Leuten abtauchte. Die merkten das natürlich und machten Jagd auf mich, aber ich war schneller, und es gab nachher beim Essen kein Foto von mir.

Auf dem Gelände von Volubilis nisteten auch zwei Storchenpaare. Der eine Storch saß friedlich auf seinem Nest und brütete, aber der andere suchte trauernd auf seiner Säule herum. Sein Nest war von einem Windstoß heruntergefegt worden und lag zerbrochen am Boden. Die Eier waren ebenfalls kaputt.


 

Der traurige Storch

In einem der Andenkenläden, die dort geöffnet waren und viele Steine ungeschliffen und geschliffen anboten, wollte ich für Sonja ein Steinei kaufen. Ich suchte ein hübsches heraus und fragte den Verkäufer, was es kostet. Er meinte DH 20 also umgerechnet DM 4.-- Er meinte, ich solle in den Laden gehen und dort bezahlen. Im Laden verlangte die Frau an der Kasse aber DH 150 = DM 21, weil Einschlüsse versteinerter Tiere darin seien. Das war mir aber zuviel, ich ging ohne zu kaufen und ohne, dass jemand mit mir handeln wollte wieder hinaus. Das war das 1. Mal, dass ich ohne, dass ich nach meinem Preis gefragt wurde, einen Laden verlassen konnte.


 

Dann ging es weiter an der Stadt Moulay Idriss, der heiligen Stadt vorbei. Sie liegt sehr malerisch in einem Bergeinschnitt um und auf einem Felssporn. Diese Stadt wird das ganze Jahr über von Pilgern besucht. Hier liegt der Moulay Idriss begraben, der den Islam 788 - 793 nach Nordafrika brachte und den ersten islamischen Staat auf marokkanischem Boden gründete. Unsere Zeit langte aber nicht aus um die Stadt zu besuchen, wir fuhren daran vorüber.

 

Moulay-Idriss

Müde vom vielen Schauen kamen wir in Fes an. Hier konnten wir es uns mal richtig bequem machen, hier blieben wir zwei Nächte.

Aber irgendwie geht es bei mir ja nie glatt. Sie hatten im Hotel Wassim keine Einzelzimmer für uns. Da wir ja den Einzelzimmerzuschlag bezahlt hatten, bestanden wir darauf und bekamen die Hochzeitssuite. Das war sehr schön. Wir hatten zwei Zimmer mit einer großen Terrasse, Bad mit Toilette und Bidet und eine Toilette mit Waschbecken in der Nähe des anderen Zimmers, so dass Irmgard, die das Zimmer ohne Bad nahm, nur zum Duschen durch mein Zimmer musste. Ich bekam das Zimmer mit Bad, weil ich ja morgens immer schon so früh herumkruschele, dusche und Tee koche.

Irmgard hatte ein Bett, zwei Tische zwei Sofas über Eck mit dem einen Tisch und einem Sessel und 2 weitere Sessel an dem zweiten runden Tisch. In Ihrem Zimmer war auch die Tür zur Terrasse, von der man, da wir im 8. Stockwerk wohnten, eine herrliche Sicht nach

3 Seiten über Fes hatte. In meinem Zimmer standen 2 Betten (2 grand lit) durch ein Nachttischchen getrennt. Das Fenster ging auf die Terrasse. Daneben war eine Nische in die ein Tisch eingebaut war, ein Stuhl stand davor und ein Spiegel hing in der Nische. 


 

Wir konnten beide sehr zufrieden sein.
Wir hatten ein Abendessen - das ausgefallene der Halbpension bekamen wir am nächsten Tag als Mittagessen - in einem vornehmen Haus in der Medina mit Folklore gebucht. Wir hatten gerade eine ¾ Stunde Zeit um uns frisch zu machen, dann ging es schon wieder los.

Zuerst besichtigten wir das Haus. Es war überall mit Schnitzwerk aus Zedernholz, Stuck und Farben auf das prächtigste verziert. Es war einfach wundervoll. Wir stiegen bis hinauf auf das Dach und schauten da ziemlich lange - obwohl der Wind ziemlich heftig blies - Fes bei Nacht an. Auch die schönen grünen gebrannten und glasierten Dachziegel, die in der Nachtbeleuchtung besonders glitzerten, waren sehenswert. Die findet man überall in Fes. Schon für den Anblick dieses Hauses hatten sich die DM 60, die es gekostet hatte, gelohnt. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.


 

Großer Speisesaal mit Tischmusik



 
 
 
 

Details

Als wir mit Besichtigen fertig waren, suchten wir uns unsere Plätze im Speisesaal. Da sich inzwischen Gruppen gebildet hatten, waren nur noch an dem Tisch der Franzosen aus dem Kleinbus und an einem anderen Tisch zwei Plätze frei. Wir nahmen die Plätze bei den Deutschen, weil wir beide nicht besonders gut französisch sprechen und da ist es so mühsam, die wenigen Brocken zusammenzusuchen.

An diesem Tisch saßen die zwei deutschen Paare aus dem Kleinbus und ein Paar, von dem ich anfangs geschrieben hatte, dass ich noch darauf zurückkomme aus den neuen Bundesländern. Die Frau war mir schon aufgefallen, weil sie auf alles, was man sagte aggressiv antwortete. Sagte man zum Beispiel: „Heute ist das Wetter aber nicht so besonders schön“. So antwortete sie prompt: „Kann ich nichts dafür, das ist nu halt mal so“ oder so ähnlich. Man konnte einfach kein small talk mit den beiden beginnen, immer erhielt man eine patzige Antwort. Als der Ober kam um unsere Getränkebestellung aufzunehmen, fragte der Mann, ob die Getränke inklusive seien, DM 60,-- wäre doch ein Haufen Geld und da seien doch auch sicher die Getränke dabei. Keiner von uns anderen hatte das angenommen. Noch nie hatten wir zum Essen freie Getränke bekommen. Als er erfuhr, dass er bezahlen musste, ließ er sich die Getränkekarte kommen und studierte sie eifrig. Am Ende entschied er sich für ein Bier und ein Wasser für seine Frau. Dann durften wir anderen auch unsere Getränke bestellen. 

Während wir auf unser Essen warteten, steckte ich mir eine Zigarette an. Die zwei tuschelten nun und dann sagte sie zu mir, sie fände es besser, wenn ich beim Essen nicht rauchen würde. Ich antwortete, das Essen ist ja noch gar nicht da und die Franzosen und andere an anderen Tischen rauchen ja auch. Da sie nur mit den Schultern zuckte, nahm ich mein Glas und setzte mich an einen freien Tisch direkt neben dem unseren. Nun war das für sie noch ungünstiger, denn der Zug in dem Restaurant trieb den Qualm direkt zu ihr und ihrem Mann. Ein anderer Herr von unserem Tisch kam dann auch zu mir, und sie wurden von zwei Zigaretten eingenebelt. Rache ist süß.

Dann kam das Essen. Zuerst gab es Fleischspieße = Kebab mit Gemüse, sehr lecker. dann folgte Kuskus. Da ich Grieß überhaupt nicht mag, nahm ich nur etwas von dem Gemüse, das war auch gut. Danach gab es etwas, was mir sehr gut schmeckte, ich aß ein ganzes Stück, von den anderen aber kaum angerührt wurde, Pastilla. Das ist eine Speise aus Blätterteig, der mit gehacktem Hühnerfleisch und einer Paste aus Mandeln gefüllt und mit Puderzucker überstäubt ist. Ich war pappsatt. Unser Reiseleiter, meinte, dass in diesem Restaurant das Essen besonders gut sei, aber ich muss sagen in einem feinen Restaurant, in dem wir vorher einmal unterwegs zu Mittag gegessen hatten, hatte es mir noch besser geschmeckt. Irmgard und ich aßen beide Tajine. Tajine sind Speisen, die in einer flachen Schüssel mit einem spitzen Deckel stundenlang geschmort werden. Irmgard aß Hühnchen mit Oliven, ich Lamm mit Backpflaumen. Es war vorzüglich!


 

Tajine

Während des Essens wurden wir mit „Musik“ unterhalten. Vier weißgekleidete Männer machten auf verschiedenen Instrumenten Lärm. Da ich ja große Probleme mit Geigen habe, ich bekomme da immer eine Gänsehaut, weil sich mir sämtliche Härchen stellen, wenn jemand über die Saiten streicht. Die vier Männer könnt Ihr im Hintergrund auf dem Bild des Speisesaales erkennen.

Dann begann die Florshow, die ebenfalls im Preis beinhaltet war. Zuerst kamen rot-grün gewandete Männer durch den langen Gang auf die Bühne. Wir saßen am ersten Tisch links vor der Bühne und die Auftretenden kamen von hinten durch den Gang zwischen Tischen. Sie machten ebenfalls Musik und trugen Feze. Zwei der Männer hatten Kordeln in der Mitte des Fez mit einer Bommel daran. Sie bewegten Ihre Köpfe, so dass die Bommeln im Takt kreisten. Dabei setzten sie einen ziemlich dümmlichen Gesichtsausdruck auf. Zu Hause versuchte ich auch einmal den Kopf so leicht zu drehen und mein Gesicht nahm den gleichen Ausdruck an. Vielleicht kommt es davon, dass man sich konzentrieren muss, dass die Bömmelchen auch schön rund fliegen.


 

Bömmelchentanz, bei dem linken im Hintergrund sieht man es gut.

Die Kostüme sahen gut aus, aber die Vorführung war dürftig, aber vielleicht auch nur, weil wir nicht verstehen, was es ausdrücken soll.

Anschließend kamen vier weiß gekleidete Herren auf die Bühne - zwei sehr alte und zwei junge. Die machten ebenfalls Krach, der älteste sogar mit einer Schere, mit der er klock klock machte. Die beiden jüngeren tanzten und machten Gymnastik. Einer von den beiden war anscheinend nur zur Aushilfe da, er fragte immer wieder nach, was er als nächstes zu tun hatte.


 

Nach dieser Vorstellung trat dann Elfriede aus Wanne-Eikel auf. So nannten wir die Bauchtänzerin, die jetzt erschien. Sie hatte ein unterrockfarbenes (rosa igitt) Gewand an und wand sich auf der Bühne. Da sie nicht sehr graziös war, ließ dieser Auftritt sehr zu wünschen übrig. Ich hatte zu Hause (von türkischen und auch deutschen Frauen) und in der Türkei wesentlich bessere Bauchtänze gesehen. Später erschien sie noch mal in einem schwarzen Gewand mit einem Stock, aber ihre Bewegungen waren auch bei diesem ziemlich hölzern.


Elfriede

Nach Elfriede kam die absolut beste Vorstellung. Ein rotgekleideter Mann kam mit einem Tablett auf dem Kopf durch den Gang, stieg die Treppen hinauf und hinunter und machte dabei ebenfalls Gymnastik. Am Ende zeigte er uns, dass die Teekanne und Teegläser, die auf dem Tablett standen, gefüllt waren. Keinen Tropfen verschüttete er bei seinem Tanz.


 

Er balanciert ein gefülltes Teeservice auf seinem Kopf.

Zum Schluß wurde dann noch eine Berberhochzeit nachgestellt. 


 

Berberhochzeitspaar aus Erfurt

Einem etwas jüngeren Paar aus der Nähe von Erfurt viel diese Aufgabe zu. Es gab natürlich großes Hallo als wir sie erkannten. Die Braut wurde dann noch mit Ihrem Brautsessel von vier Männern in Morgenröcken, wie der rechts im Hintergrund, auf ihrem Brautstuhl sitzend durch die Gegend getragen Diese Leute aus den neuen Bundesländern waren richtig nett. Mit Ihnen konnte man sich unterhalten, und sie waren fröhlich und frei. Es gibt halt überall solche und sone.

Nachdem das Programm zu Ende war, trieb uns Samir zum Aufbruch. Immer muss alles ruckizucki gehen bei solchen Ausflügen, man kann nicht gemütlich sitzen bleiben und noch einen Scheidebecher trinken. Immer muss man gleich wieder zum Bus und alleine sitzen bleiben kann man auch nicht, weil man sich ja nicht auskennt.

Durch das nächtliche Fez fuhren wir zurück zum Hotel.

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