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Weiter ging es nach Rabat.


 

Noch am Nachmittag begannen wir unsere Besichtigung der marokkanischen Hauptstadt. Wir fuhren auf der Prachtstraße Mohammed V. Es ist eine wunderschöne Straße mit einem Fußgängerweg und vielen Blumenrabatten, Bäumen und Grün in der Mitte. Zuerst besichtigten wir den Königspalast. Leider war das Haupttor eingerüstet. Irmgard versuchte ein Foto in den Innenhof ohne das Gerüst zu schießen. Deshalb ging sie etwas näher heran, aber sofort kamen die Wachen angerannt und verjagten sie. Ich machte eine Aufnahme von sehr weit weg und da fällt das Gerüst überhaupt nicht mehr auf. Der Palastbezirk ist riesig groß, aber wir durften ja nur auf den Platz vor der Palastmauer. Aber ich hätte es ja auch nicht gerne, wenn jemand neugierig einfach mein Häuschen, in dem ich wohne besichtigen wollte.


 

Der Palast ist nicht Eigentum des Königs. Er darf nur solange darin wohnen, wie er König ist, wenn er abdankt oder verjagt wird, muss er den Palast verlassen und sein Nachfolger bezieht ihn.

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Königspalast in Rabat

Den König konnten wir sowieso nicht besuchen, er hielt sich zu der Zeit, während wir dort waren, in Marrakesch auf.

Am Morgen des 30. April 1999 besichtigten wir den Hassanturm. Hier wollte Abou Youssef Yacoub el-Mansor, der Gründer Rabats und bedeutendste Herrscher der Almohaden-Dynastie eine Moschee bauen lassen, die die zweitgrößte der islamischen Welt werden sollte. Nach seinem Tod, 4 Jahre nach Baubeginn, wurden die Arbeiten eingestellt. Deshalb sieht man hinter dem Turm die vielen Säulen, die einmal das Dach der Moschee tragen sollten. 

 

Hassan-Turm

Der Turm und die Säulen stehen auf einem großen Platz. Ursprünglich sollte der Turm noch zweimal höher werden als Minarett für die Moschee. Er hat heute also nur 1/3 seiner geplanten Höhe.

Gegenüber des Hassan-Turmes steht jetzt das Mausoleum von Mohammed V, das wir sogar von innen betrachten durften.

 

Mausoleum Mohammed V


 

von innen

Tag und Nacht sitzt ein Mensch bei dem Sarkophag und liest dem Toten die Suren des Korans vor und das seit 1971. Muss der zu Lebzeiten böse gewesen sein, dass man so um sein Seelenheil besorgt sein muss.

Die ganze Anlage ist von einer dicken Mauer mit Wehrtürmen umgeben. Durch ein verhältnismäßig kleines Tor kann man sie betreten. Hier stehen Wachsoldaten in schöner Uniform.

 

Dann fuhren wir zur Ouadaia-Kasbah. Wir mussten eine steile Treppe außen an der Mauer hinaufsteigen und kamen durch ein Tor in die Kasbah. Hier gingen die Gassen steil bergauf. Die Häuser waren zum größten Teil, wenigsten unten als Sockel, blau gestrichen, was die bösen Geister (oder die Fliegen) abwehren soll. Es gab wunderschöne Winkel zum betrachten und fotografieren, aber der örtliche Reiseleiter hatte uns eingetrichtert, nahe bei ihm zu bleiben. 

 

Ganz selten gelang es mir mal eine der Gassen, Winkel, Fenster o. ä. ohne Touristen davor einzufangen. Natürlich hetzte ich dann immer hinterher. Als ich ganz oben auf der Burg ankam, fuhr mich der örtliche Reiseleiter an, weil ich nicht bei der Gruppe geblieben war. Ich antwortete wütend: „Ich bin hier im Urlaub und nicht auf der Flucht“. Ob er es verstanden hat weiß ich nicht, aber die anderen Gruppenmitglieder klatschten mir Beifall und wenn es im Laufe der Reise einmal zu stressig wurde, kam prompt dieser Spruch.

Von hier oben hatte man eine herrliche Aussicht auf den Flusshafen Sala, den die Römer gegründet hatten, der aber in der Zwischenzeit versandet ist. Mit Booten kann man sich hinüber in die Neustadt fahren lassen. Die Karthager sollen hier im 3. Jahrhundert v. Chr. eine Handelsniederlassung gegründet haben. Hier ist halt alles geschichtsträchtiger Boden.

 

Der versandete Flusshafen Sala

Im Hotel Shéhérazade bekamen wir unsere Zimmer. Ich hatte eines nach hinten heraus und konnte in die verschachtelten Höfe und Dachterrassen schauen. Auf jedem Haus sah man mehrere Antennen und Schüsseln. Das war mir übrigens schon unterwegs aufgefallen. Die Hütten konnten noch so armselig sein, aber wenn Strom da war, gab es auch Antennen und Schüsseln auf den Dächern, also auch Fernsehgeräte. Ganz so furchtbar arm konnten die Bewohner dann doch nicht sein.

Abendessen gab es dieses Mal in dem zum Hotel gehörigen, sehr schummerigen Restaurant. Es war richtig schön, dass man mal serviert bekam und sich nicht in der langen Schlange des Selbstbedienungsbüfett einreihen musste. Hier war das Essen auch sehr schmackhaft und vor allem auch richtig warm.

Weiter ging es  am nächsten Morgen in Richtung Meknes, das auch das Versailles Marokkos genannt wird. Jahrhunderte lang war es die bevorzugte Residenz der herrschenden Dynastien. Eigentlich sollten wir nur die riesigen Stadtmauern mit dem prächtigen Tor Bab el-Mansor und die Getreidespeicher besichtigen.

 

Bab el-Mansor, so habe ich es fotografiert


 

und do sieht es in meinem Reiseführer aus!!!!

Aber die Stadtführerin meinte es gut mit uns und zeigte uns noch viel mehr. Zuerst einmal die Eindrücke des Vorgesehenen. 

Für das Bab el-Mansor, dieses Prächtige Tor hatten wir nur eine kurze Pause. Irgendwie hatte ich da nichts mitgekriegt, ich habe kein Foto davon. Das auf oben gezeigte habe ich aus meinem Reiseführer gescannt. Na so geht es manchmal, aber alle anderen Bilder sind original Fritzi.

Was mich aber in Meknes besonders fasziniert hat, waren die riesigen Getreidespeicher und Pferdeställe für 12.000 edle Rösser. Es gab echte Araber, Berber und Mischlinge zwischen beiden Rassen. Das muss ein Anblick gewesen sein, als diese Pferde dort noch wohnten.

Dieser Erbauer der Stadt Meknes neigte sowieso zur Überdimensionierung. Moulay Ismail aus dem Hause der Alaouiten ließ in 55jähriger Bauzeit Meknes zur gewaltigsten Festungsstadt Nordafrikas ausbauen. Er besaß nicht nur die 12.000 Hengste, sondern mindestens 30.000 Sklaven und 500 Haremsdamen (ob er die alle und wenn ja wie oft beglückt hat?)

 
halblinks
geradeaus 
halbrechts

in der Diagonale immer vom gleichen Standpunkt aus

Die Ställe waren so gebaut, dass man von jedem Standpunkt aus alle sehen konnte. Geradeaus konnte man bis zum Ende sehen, ebenso nach rechts oder links und nach diagonal halbrechts oder halblinks. Diese Baukunst kann man nur bewundern. Ich würde zu gerne mal einen Grundriss davon sehen.

Anschließen besichtigten wir noch die heutigen Reitställe, die hinter diesen Toren in einem Park mit Rennbahn liegen. Das war eigentlich nicht vorgesehen und brachte uns in Zeitdruck.

 

Es standen dort etwa 30 Pferde der drei Sorten. Die Araber, unter denen sich ein preisgekrönter Zuchthengst befand, waren mit roten Schildern, die Berber mit grünen und die Mischlinge mit diagonal geteilten rotgrünen Schildern gekennzeichnet.


 

Pferde aus den Ställen

Natürlich gab es viele Pferdeliebhaber in der Reisegruppe und Sidi Samir musste zum Aufbruch drängen, da es ja weitergehen sollte in Richtung Fes.

Ach, von der Gruppe hatte ich noch gar nichts erzählt. Eigentlich war der Bus bis auf den letzten Platz voll, da aber immer ein Kleinbus mit Franzosen mitfuhr, wurden zwei Paare dorthin übergesiedelt. So ein Kleinbus hat den Vorteil, dass die Gruppe übersichtlicher ist und man zwischendurch auch mal Zeit hat, sich etwas genauer anzusehen oder in Ruhe zu fotografieren, aber in dem Fall den Nachteil, dass in der Hauptsache französisch geredet wurde. Der Reiseleiter in dem Kleinbus konnte zwar auch deutsch, aber längst nicht so gut wie der Sidi Samir und dann geht halt von den Erklärungen unterwegs viel verloren. Wir wollten zuerst in dem kleinen Bus mitfahren, aber so war es besser.

Die Gruppe zählte nun immer noch 44 Personen. Alle Leute waren eigentlich recht nett. Man unterhielt sich mal mit diesem, mal mit jenem Paar und bis auf eines - über das eine Paar, dass ich in dieser Beschreibung der Gruppe ausgenommen habe, erzähle ich später noch - waren alle immer sehr nett und freundlich. Was vor allem schätzenswert war, dass alle immer pünktlich zur Abfahrt des Busses da waren und dass die gesamte Gruppe sehr diszipliniert war. Es ging keiner verloren und alle blieben, wenn es der Reiseleiter wünschte, zusammen. Das Zusammenbleiben war manchmal sehr anstrengend. Eine so große Gruppe wollte man ja nicht immer mitfotografieren, wenn man eines der Baudenkmäler oder ein bisschen Natur knipsen wollte. Also musste man etwas vorlaufen oder zurückbleiben und dann wieder den Anschluss finden. 

Wir mussten uns, weil die Stadtführerin uns mehr gezeigt hatte, als vorgesehen war und die Zeit knapp wurde, beeilen weiterzukommen, denn der Weg nach Marrakesch war weit und heute Abend wollten wir ja die Fantasia sehen.

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