Marokko 1999

Rundreise Königsstädte


Die Bilder werden durch Anklicken größer


Am Dienstag den 27. April 1999 um 5.20 Uhr ging unser Flug nach Agadir ab.

Was mir noch nie passiert ist, ich verschlief. Um 3.30 Uhr wollten wir abfahren, aber da wurde ich erst wach. Zum Glück hatte ich am Abend vorher schon die Reisetasche mit aufgesetztem Rucksack ins Auto gestellt. 

Das war eine Hetze. Ich weckte Günter, der sich schon wunderte, dass ich nicht früher zu ihm rüber kam. Im Halbschlaf hatte er gemeint, es sei Zeit, aber auf die Uhr zu schauen und mich zu wecken, kam ihm nicht in den Sinn. Er ist es halt gewöhnt, dass ich immer pünktlich, eher zu früh bin. Ungeduscht schlüpfte ich in die Kleider, trank eine inzwischen gekochte Tasse Tee, packte die Restsachen, wie Wecker, Kamm, Creme und Haarspray in einen Stoffbeutel, den ich als Handgepäck mitnehmen wollte, damit ich, wenn es dort zu warm würde, meinen Poncho unterbringen konnte und nicht über dem Arm tragen musste. Mit diesem Beutel und meiner Fototasche, in der sich auch meine Reiseunterlagen befanden, schmissen wir uns 10 Minuten vor 4 Uhr in den Mini und brausten los.

Zum Glück ist um diese Zeit noch nicht so viel Verkehr, und wir konnten zügig zum Flughafen nach Frankfurt fahren. Um 4.20 Uhr also anstatt 1 ½ Stunden vor Abflug war ich nur eine Stunde vorher dort. Günter ließ mich an dem „Abflug“ aussteigen, und ich hastete zum Condorschalter. Kaum war ich durch die sich selbst öffnende Eingangstüre, als ich bemerkte, dass ich den Beutel vergessen hatte, also gleich wieder zurück, aber Günter war auch schnell, er war schon weg und sah anscheinend nicht in den Rückspiegel, denn er beachtete mein Gehampel und Gewinke auf der Straße nicht und fuhr weiter. Na nun musste ich ohne Wecker, der war das wichtigste in diesem Beutel, auskommen.

Die Condorschalter war wider Erwarten völlig leer. 6 Schalter waren besetzt, aber vor keinem stand irgendjemand. Wahrscheinlich hatten die meisten schon - wie auch Irmgard, mit der ich reisen wollte - am Vorabend eingecheckt um morgens etwas länger schlafen zu können. Ich hatte also die Auswahl. 

Dem Mann am Schalter sagte ich, dass ich den Platz 32 D habe. Er schaute in den Computer und meinte: „Nein, sie haben 16D“. Das konnte doch nicht wahr sein, nun hatte ich extra 30 DM bezahlt um einen Raucherplatz zu bekommen und nun hatte ich einen Nichtraucherplatz gebucht bekommen. Der Schaltermann tröstete mich aber, es seien noch genügend Raucherplätze frei und gab mir den Platz 35D. 

Da schon der Flug aufgerufen war, ging ich gleich durch die Passkontrolle und fand auch noch in dem Warteraum zum Abflug einen Sitzplatz. Kurz nachdem ich mich niedergelassen hatte, traf auch Irmgard ein. Sie hatte den Platz 16D reserviert und war auf 32D gebucht worden. Also eine Namensverwechslung des Reisebüros. Hätten wir zusammen eingecheckt, hätten wir einfach die Plätze tauschen können.

Dann ging es los. Wie das bei Condor und in Frankfurt üblich ist, durften zuerst die hinteren Plätze ins Flugzeug, damit nicht solche Staus entstehen, wenn die Leute von vorn ihre Taschen und Sachen verstauen und die, die nach hinten müssen, warten müssen, bis die ausgekramt haben. Eine sehr schöne Einrichtung, die aber leider auf anderen Flughäfen noch nicht praktiziert wird.

Ich hatte eine sehr nette Reisegefährtin, die aber die Rundreise in umgekehrter Reihenfolge mit TUI machte. Wir unterhielten uns, manchmal schlief ich auch ein bisschen und die 4 Stunden Flugzeit gingen rasch vorüber. Die Uhr mussten wir 2 Stunden zurückstellen. Wir landeten kurz nach 7 Uhr dortiger Zeit. Wenn wir nicht zu müde waren, hatten wir den ganzen Tag vor uns und konnten Agadir unsicher machen.

Mit einem Kleinbus wurden wir abgeholt und zum Hotel gebracht. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel sahen wir eine Herde (mindestens 20 Tiere) Kamele. Leider hatte ich meinen Fotoapparat noch nicht parat. Mit sowas hatte ich nicht gerechnet. Na vielleicht sahen wir so etwas ja noch öfter, und ich konnte dann noch ein Bild schießen, was aber leider während der ganzen Reise nicht mehr der Fall war. Eine verpasste Gelegenheit.

Im Bus wurden wir vorgewarnt, dass es möglich sei, dass unsere Zimmer noch nicht fertig sind. So früh, wäre das Hotel nicht verpflichtet uns schon aufzunehmen. Wir müssten Geduld haben.
Im Hotel - dem Transatlantik - bekamen wir jeder einen Anmeldezettel ausgehändigt, den wir ausfüllen mussten. Wir bekamen sofort unsere Zimmerschlüssel, alle Zimmer waren schon bereit für uns, und bezogen unsere Zimmer. 
Über der Rezeption hing ein Bild, das wohl den König darstellte. Ich fragte den Mann an der Rezeption, ob das Hassan sei. Er antwortete: „Ja, das ist Hassan der Zweite, und ich bin Hassan der Dritte“. Daraufhin brachen wir beide in Gelächter aus, aber ich wusste nun seinen Namen.
Das Hotel war casbahähnlich gebaut, d. h. völlig verschachtelt. Man hatte das Gefühl ein Häuschen für sich zu haben, aber eine Ebene höher gab es ebenfalls noch Zimmer. Ein Kofferboy brachte uns hin. Wir wohnten im Trakt B und mußten eine Treppe hoch laufen, die in einem großen Saal hellblau und weiß mit vielen Sitzgruppen endete. In dem Saal war noch einige Stufen höher eine Nische in der ebenfalls ein Sofa, ein Tisch und mehrere Sessel standen. Die Decke des Saales wurde von vielen quadratischen Säulen getragen, die in Rundbögen ausliefen.

Gegenüber der Nische war eine Tür auf die Dachterrasse durch die wir über zwei Stufen rauf und zwei Stufen runter (warum????) auf die Terrasse gelangten. Unter einer Treppe hindurch, die in die darüberliegenden Zimmer führte, kamen wir zu unseren Zimmern, jedes in einem anscheinend getrennt stehenden Häuschen. Ihr glaubt nicht, wie oft wir uns auf dieser Dachterrasse verliefen, bis wir eine Tür in den großen Saal fanden. Es war ein einziges Labyrinth dort oben.


Auf der Dachterrasse zu unseren Zimmern

Die Zimmer waren sehr schön, nur die Toiletten stanken bestialisch. Irgendetwas mußte da mit der Kanalisation nicht in Ordnung sein. Da Toilette und Bad getrennt waren, war es nicht allzu schlimm. Leider hatte ich kein Zahnputzglas und das brauchte ich dringend für meinen early morning tea. Als ich Irmgard nach einem fragen wollte, traf ich ein Stubenmädchen, das mir dann eines brachte. Und ich konnte mir meine zweite Tasse Tee an diesem Morgen kochen. Nun musste ich entdecken, dass ich meinen Teefilter und die Tüten vergessen hatte, aber mit einem Papiertaschentuch, konnte ich ganz gut von einem Glas ins andere Filtern. ... man muss sich nur zu helfen wissen.

Irmgard holte mich ab, wir wollten etwas die Umgebung erkunden. Wir kamen aber nicht weit. Gleich neben dem Hotel begann eine Ladenpassage. Wir wurden sofort angesprochen als wir vor einem Juweliergeschäft die Auslagen betrachteten und das nahm auch als wir abwehrten kein Ende. Da ich für Delia’s (meine Schwiegertochter) Geburtstag noch ein Geschenk brauchte, und sie sich ein Backgammonspiel gewünscht hatte, fragte ich einen der Anbieter von schönen Schachspielen aus Holz und Stein nach einem Backgammonspiel. Nach einigem Suchen brachte er ein Schachspiel zum Aufklappen an, das innen auch eine Backgammoneinteilung hatte. Es war eine sehr schöne Einlegearbeit aus verschiedenenfarbigen Hölzern. Er wollte 500 DH = Dirham dafür. Das war mir aber zu teuer, das sind 100 DM. Er wollte handeln, aber wir hatten keine Lust dazu und gingen weiter. Ich fand eine hübsche Postkarte, die ich kaufte. Ich hatte ja versprochen, meinen Kollegen eine zu schicken. Sonst bekam keiner eine. Solche eine kurze Reise, da war ich bestimmt früher zurück als die Postkarte ankam (so war es auch).

In dem Laden fragte ich dann auch nach einem Backgammonspiel. Der junge Mann sauste los und holte von einem anderen Händler eines. Er verlangte 300 DH also DM 60,--. Hier handelten wir, und ich bekam es für 150 DH. 

Inzwischen war es warm geworden, und wir beschlossen, da wir ja noch so nahe am Hotel waren, unsere Beute nach Hause zu bringen und die Badesachen zu holen. Wir wurden aber schon wieder angehalten. Ein Mann sagte er sei „Homopath“, und er hätte sehr gute Sachen mitgebracht. Er sei nur einmal im Monat hier und lebe in der Sahara, woher von wo er auch die Sachen mitgebracht habe. Da ich für eine Bekannte, die im März diese Reise gemacht hatte Ambra mitbringen sollte, ließen wir uns zerren.

Er zeigte uns verschiedene Gewürze und Tees, sowie Arganienöl = Ziegenbaumöl, das sehr gut gegen Sonnenbrand sei, aber ich bestand auf Ambra. Anscheinend musste er das, weil er noch nicht ganz fertig war mit auspacken, irgendwoher auskramen, denn es dauerte eine ganze Weile bis er damit ankam. Er brachte zwei Würfel und verlangte dafür 500 DH, was ich aber für ein Mittel gegen Motten, für sehr teuer hielt. Hella hatte zwar gesagt, dass es sehr teuer sei, aber ich konnte mir nicht denken, dass sie DM 50,-- für einen solchen Würfel ausgegeben hat. Ich versuchte zu handeln, aber bei DH 200 merkte ich, dass ich die Schmerzgrenze erreicht hatte. Da ich ja nicht wusste, ob wir auch in Marrakesch in einen solchen Laden geführt würden, kaufte ich die beiden Würfel.

Im Hotel zog ich mich zuerst einmal um. Ich hatte meinen Hosenanzug von der Reise noch an und da ist das Umziehen am Strand zu unbequem. Den Badeanzug zog ich mir zuerst einmal an und darüber den einzigen (schwarzen) Rock, den ich mithatte und ein T-Shirt. Jetzt fühlte ich mich schon viel wohler. In meine Duty-Free-Tüte - ich hatte mir im Flugzeug noch ein Fläschchen Opium-Parfüm gekauft und eine Tüte verlangt, weil ich ja mein Poncho unterbringen musste und den Beutel vergessen hatte - steckte ich ein Badetuch, meine Zigaretten und etwas Geld. Irmgard kam, und wir gingen los. Dieses Mal ließen wir uns nicht anhalten. Ohne rechts oder links zu schauen, marschierten wir dem Meer zu.

Wir hatten keinen Stadtplan dabei, aber überraschenderweise gelangten wir, obwohl wir viele Straßenkreuzungen passieren mussten und oftmals die Straße wechselten, ohne Umweg an den Strand.

Es war ein sehr langer fast weißer Sandstrand, etwa 7 km. Dort wo wir den Strand erreichten war ein kleines Lokal. Viele Sonnenschirme und Liegen standen dort zur Vermietung, aber wir zogen es vor, uns auf unser Handtuch vorn an den freien Strand zu legen. Irmgard schimpfte mit mir, dass ich mein eigenes Badetuch mitgenommen hatte, im Hotel seien doch genug Badetücher vorhanden. Als sie dann auspackte, hatte sie sich vergriffen und die kleine Frotteematte, die als Duschvorlage benutzt werden sollte, mitgenommen. Nun war es an mir sie auszulachen.

Die Wellen waren sehr hoch und das Wasser - nach einer Zehenspitzenprobe - eiskalt. Na hineingehen wollte ich auf jeden Fall, aber erst mussten wir uns noch aufwärmen. In unserem Faulenzen im weichen, ziemlich sauberen Sand wurden wir immer wieder gestört. Man wollte uns Blusen (für DM 1,--), Teppiche, Schmuck - alles natürlich sehr billig - verkaufen. Wir hatten aber keinen Bedarf. 


 

auf dem Berg steht: Allah - Vaterland - König
und die andere Seite

Der Strand von Agadir

Als wir etwa eine Stunde dort verbracht hatten, kam ein Wind auf, der sich bald zu Sturmstärke aufblies. Die Wellen wurden noch höher und der Sand fing an zwischen den Zähnen zu knirschen. Da half nur noch die Flucht. Das Baden im Atlantik gab ich auf. Wir wanderten zurück zum Hotel und beschlossen, es uns am und im Swimmingpool gemütlich zu machen. 

Unterwegs sahen wir einen Supermarkt und gingen hinein um uns Mineralwasser für den kommenden Tag im Bus zu besorgen. An der Kasse stand ein Blech mit frischen Croissants. Wir konnten nicht widerstehen und kauften jeder eines. Es war herrlich knusprig und frisch, und wir kauften jede noch eines. Das war dann unser Mittagessen.

Wir verlegten jetzt unsere Badefreuden an den Swimmingpool im Hotel. Wir nahmen uns zwei Liegen, die waren kostenlos, und machten es uns - ich im Halbschatten, Irmgard in der Sonne - mit unseren Büchern bequem.


 

Der Pool im Hotel Transatlantique

Auch hier wurde der Wind immer stärker. Obwohl der Pool geschützt zwischen Mauern, Restaurant und Treppen liegt, fegte er uns um die Ohren. Der Kellner, der uns den Pfefferminztee brachte, meinte der käme aus der Sahara. Er deckte den Tee mit einem Bierdeckel zu, damit kein Sand hineinkäme. Der Wind wurde so stark, dass er eine Liegematratze und zwei Badetücher ins Wasser fegte. Als eine Frau versuchte alles mit einem langen Stock herauszuangeln, es aber nicht klappte, war meine Zeit gekommen. Mit einem Kopfsprung hüpfte ich ins Wasser, zog erst die Matratze heraus und tauchte dann die Badetücher, die sich schon vollgesaugt hatten und zu Boden gesunken waren, heraus. Die Frau bedankte sich recht herzlich. 

Danach schwamm ich noch einige Runden. Als ich aus dem Wasser kam, kam mir der Wind eisig vor. Ich verabschiedete mich von Irmgard und floh in mein Zimmer in eine schön heiße Badewanne. Danach schlief ich noch etwas. 

Irmgard holte mich dann gegen 17.00 Uhr ab, wir wollten auch noch andere Teile der Stadt besichtigen.

Dieses Mal waren wir klüger. Wir überquerten direkt vor dem Hotel, die breite 4-spurige Straße mit Grünstreifen in der Mitte. Auf der anderen Seite konnte man breite Treppen, die amphitheaterartig im Halbkreis angelegt waren, hinuntergehen.  Da waren keine Läden und keine Händler, die uns nervten.

In der Mitte des Platzes, auf den sie führten, war ein Teich mit Wasserspielen ringsum von Blumenrabatten umgeben. Es sah sehr hübsch aus. Gegenüber der Treppe ging eine breite Straße mit schönen Platten belegt und für Kraftfahrzeuge gesperrt, kerzengerade in die Stadtmitte. Die Straße war links von einem öffentlichen Gebäude und rechts von Läden gesäumt. 


 

Fußgängerzone in Agadir

Unter den Läden war auch ein Tabak-Geschäft, aber der Besitzer ließ gerade die Läden herunter, so konnte ich mir keine Zigaretten kaufen.

An der Hauptstraße gingen wir nach links und betrachteten uns die wenigen Läden. In einem Kiosk bekam ich dann Zigaretten. Ich kaufte mir drei Päckchen der inländischen Sorte MARVEL. Sie schmeckten ganz gut. Wir liefen wieder zurück und weiter in die andere Richtung, aber hier gab es auch nicht besonders viel zu sehen und die Straße ging bald in eine Industriestraße über. Wir gingen dann auf der anderen Straßenseite zurück und setzten uns an der Ecke der Prachtstraße, die zu der Treppe führte, in ein gut besuchtes Café und tranken Espresso bzw. Cappuccino und betrachteten uns die Leute, die dort saßen oder vorbeigingen. Es waren in der Hauptsache Männer in dem Lokal, aber auch einige junge einheimische Frauen ohne Schleier.

Am Tisch schräg hinter uns saßen einige Männer. Diese wurden immer wieder von anderen begrüßt. Als ein Ankommender einen der dort sitzenden Männer küssen wollte - die begrüßen sich dort immer mit Umarmungen und mehreren Küsschen abwechselnd auf beide Wangen (wir wurden von dem Homopathen ebenfalls so verabschiedet) - schmiss er die Colaflasche, die auf dem Tisch stand, um. Sie fiel so unglücklich, dass das klebrige Coke dem Sitzenden zwischen die Beine lief. Die anderen lachten unbändig und der geschädigte betrachtete seine Hose. Es sah aus als hätte er Durchfall nicht mehr halten können. Das nasse Kissen wurde ausgewechselt, d. h. von einem freien Stuhl das saubere genommen und das nasse auf den freien Stuhl gelegt. Der nächste, der diesen Stuhl benutzte, würde sich wundern, wenn auch seine Hose gezeichnet wurde.

Wir gingen wieder die Freitreppe herauf, über die Straße ins Hotel. Bis zum Essen hatten wir noch etwas Zeit uns auszuruhen. Es gab erst um 19.30 Uhr Abendbrot.

Es gab das Essen in Büfettform. Was ich ja eigentlich nicht liebe. Da ich den Hunger schon übergangen hatte, aß ich ein wenig Huhn in Brocken, ein wenig Hammelfleisch in Brocken und dazu ein paar Spaghetti und etwas Salat. Alles war lauwarm. Wir bestellten uns eine Flasche Rotwein, die wir anschließend mit in die Bar nehmen wollten um sie dort bei Musik und Folklorevorführungen auszutrinken.

Wir setzten uns an einen kleinen Tisch etwas abseits der Lautsprecher und baten den Kellner um zwei Gläser. Da hatten wir aber einen großen Fehler gemacht. Der Restaurantmanager beschimpfte uns und wollte uns verjagen. Man könne keine mitgebrachten Getränke an der Bar verzehren. Dort müsse man neue kaufen. Irmgard wurde jetzt richtig wütend. Sie eilte zur Rezeption und beschwerte sich. 

Wir hatten den Wein ja nicht mitgebracht, sondern im Hotel gekauft und den müsse man doch auch an der Bar austrinken können und nicht nur im Zimmer, wie das der Restaurantmanager wollte. Hassan III versuchte die Wogen zu glätten, was er dem Restaurantmanager sagte, konnten wir nicht verstehen. Es wurde ein Kellner aus dem Speisesaal geholt, der anscheinend bestätigte, dass wir den Wein dort gekauft hatten. 

Dann wurden wir in ein Eckelchen gesetzt, wo uns keiner sehen konnte und der Restaurantmanager ließ uns von dem Kellner Gläser bringen. Er war sehr bemüht, dass unser Glas immer voll war und die Flasche schnell alle, die er dann auch sofort verschwinden ließ nachdem er uns die letzten Tropfen davon eingegossen hatte. Unser Zorn war verflogen, wir konnten uns darüber schon wieder amüsieren. 

Die meisten Leute verließen die Bar, und wir setzten uns mit unseren vollen Gläsern an einen frei gewordenen Tisch, von dem aus wir die Show ansehen konnten.

Vier Männer und vier Frauen zogen unter lauten Getöse mit Trommeln, Flöte und Geschrei auf die Tanzfläche. Die Männer ließen sich vor dem Podest, auf dem vorher der Alleinunterhalter gespielt hatte, nieder und machten weiter ihren rhythmischen Lärm. 

Die Frauen tanzten dazu gemächlich und stießen hin und wieder Laute Schreie, die sie mit wackelnder Zunge unterbrachen, trillrtn, aus. In der Hauptsache bestanden die Tänze, die sich für uns immer gleich anhörten aus hin- und hertreten von einem Fuß auf den anderen, manchmaligem Drehen und in der Hauptsache aus Schulterwackeln, mal in aufrechter Haltung, mal im Hocken am Boden. Dann wurden Frauen aus dem Publikum zum Mitmachen geholt. Das hübscheste an der Vorführung waren die Kostüme, sonst war der Tanz ziemlich laienhaft. Irmgard nahm an, dass hier das Hotelpersonal eingespannt worden war. Eine der Frauen kam nicht so ganz mit, sie musste immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, was sie als nächstes zu tun hatte.
Um 23 Uhr war der Spuk zu Ende, und wir gingen todmüde und halbtaub zu Bett. Ich bat Hassen III mich um 5.30 Uhr zu wecken, denn um 7.30 Uhr ging es am Morgen schon los zur Rundreise. Zur Vorsicht bat ich aber auch Irmgard mich zu wecken, sie wollte ihren Wecker auf 6 Uhr stellen, falls das mit der Rezeption nicht klappte. 
Am 28.04.1999 wurde ich um 5.25 Uhr von selbst wach. Ich wartete auf das Wecken von der Rezeption, aber es tat sich nichts. Ich stand auf,  bereitete meinen Tee mit Ingwer und ließ mich mit meinem Buch gemütlich nieder. Einige Minuten nach 6 Uhr kam dann Irmgard um zu schauen, ob ich wach war. Auf sie ist halt mehr Verlass. Um 6.30 Uhr gingen wir dann zum Frühstück. Es gab sogar Wurst und Käse, das hatten wir nicht erwartet.
Um 7.30 Uhr stand ein großer Bus vor der Türe. Alle Leute waren pünktlich und der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt. 
Unser Reiseleiter stieg zu, begrüßte uns und stellte sich, den Beifahrer und den Busfahrer vor. Die Namen verstand ich natürlich mal wieder nicht richtig, außer dem Beifahrer, der hieß Hassan (der 4. oder 1111???).

Nun ging es los, die Küstenstraße entlang nach Essaouira. Wir fuhren an steil abfallender Felsenküste und dann wieder an kilometerlangen einsamen Sandstränden vorbei. Der Reiseleiter erklärte uns, dass diese Strände im Sommer bevölkerter sind, weil dann die Leute, die es sich leisten können, aus dem heißen Landesinnern an die vom Seewind kühleren Strände kommen und zeltend den Sommer verbringen. 

An einer Flussmündung machten wir eine erste Fotopause. Wir vertraten uns ein wenig die Füße und die Raucher rauchten eine Zigarette. Wer musste, verschwand hinter die Felsen.


 

Die Flussmündung

Wir fuhren vorbei an schachbrettartigen Feldern, die mit der Hand gerade abgeerntet wurden. Frauen sichelten das Getreide gebückt ab. Musste denen der Rücken weh tun, bis die Felder abgeerntet waren. Der Reiseleiter erklärte uns, dass die Felder durch Erbteilung immer kleiner wurden, dass manche Erbnehmer ihr Land an Großgrundbesitzer verkaufen und dass die Bevölkerung der landwirtschaftlich genutzten Zonen meistens als Pächter arbeiten, wobei sie 5 % der Ernte behalten dürfen. Die Haupternte sei eigentlich Ende Mai bis Juni. 

Aber in diesem Jahr war der April so trocken und heiß, dass sie jetzt schon ernten mussten um wenigstens das Stroh für das Vieh zu erhalten.

Einmal sahen wir auch Salzgärten. In große flache Becken wurde Meerwasser geleitet, das dann in der Sonne verdunstet bis nur noch das Salz übrig bleibt.

Manchmal führte die Straße vom Meer weg weiter ins Landesinnere, meist ziemlich steil hinauf hoch über das Meer. Hier wuchsen auf der roten Erde vor allem Ziegenbäume, die so genannt werden, weil die Ziegen so gerne die Früchte und das Laub essen und wie die Affen darin herumklettern. Der Reiseleiter erklärte uns, dass diese Bäume, die in Wirklichkeit Arganien heißen vom Aussterben bedroht sind, dass man aber die Landbevölkerung nur schwer dazu bringen kann, dass sie die Ziegen nicht auf die Bäume lassen.


 

Ziegen im Ziegenbaum (Arganie)

In einem Dorf hielten wir an, und der Reiseleiter empfahl uns hier etwas zu Essen einzukaufen, weil wir in Essaouira kein preiswertes Lokal finden würden. Wir kauften uns also Bananen, Fladenbrot und Käse. Ich hatte gedacht, dass es hier wegen der vielen Ziegen, einen schönen Ziegenkäse gäbe oder auch einen Schafskäse, aber da hatte ich mich geirrt. Es gab nur Schmelzkäse von der lachenden Kuh. 

Da mein Glas zum Teekochen am Morgen noch zerbrochen war - ich hatte es hingeschmissen - suchte ich etwas ähnliches. In einem Laden abseits der gut besuchten Läden, fand ich einen Kramladen, der alles hatte. Hier kaufte ich mir eine kleine silberfarbige Teekanne für 12 DM. Der Reiseleiter wollte sehen, was ich gekauft hatte und machte mir meine Beute gleich madig. Das Kännchen tauge nichts, da könnte ich höchstens dreimal Tee drin kochen. Es hat aber die Reise heil überstanden, ich habe schon mindestens 10 x Tee darin gekocht, und es sieht noch genauso aus, wie am ersten Tag.

In dem Dorf gab es auch einen Metzger. Das Fleisch hing im Freien und sah eigentlich recht appetitlich aus. Nur auf einem Tisch vor der Metzgerei lagen mehrere blutige Ziegenköpfe mit dem Fell und den Hörnern. Was die wohl damit machten?


 


 

beim Metzger

Während der Weiterfahrt nach Essaouira verzehrten wir die Hälfte unseres Proviantes, den Rest wollten wir dann später noch essen. 

Wir machten dann noch eine „Gesundheitspause“ zum Tolettieren und Rauchen und tranken in der hübschen Anlage noch einen Pfefferminztee. Dem Jungen, der das Trinkgeld an der Toilette einnahm, schenkte ich eine Handvoll Toffees. Hat der sich gefreut. Das Trinkgeld ging ja in die Familie, aber die Bonbons konnte er selber essen.

Kurz vor Essaouira sahen wir viele Akazien und auch Wacholder, diese, sollen die Dünen vor dem Wind schützen. Zwischen den Feldern sah man immer wieder hohe Dünen, d. h. natürlich die Felder lagen zwischen den Dünen. Es war ein herrlicher Anblick. Ich hatte schon einen ganzen Film verknipst.

Erst 1760 wurde Essaouira auf einer felsigen Halbinsel erbaut. Die Stadt ist von portugiesischen Wehranlagen umzogen. Wir stiegen aus und besichtigten die Medina mit ihren Souks. Die Altstadt ist gekennzeichnet durch ihre geradlinige Straßenführung mit einer Unzahl herrlicher Bogendurchgänge und die herrliche Architektur des französischen Ingenieurs Théodore Cornut.


 
 

Essaouira

An einem Gewürz- und Obststand saßen große, dicke, lebende Chamäleons auf den Gewürzen. Ob die auch verkauft und gegessen wurden oder ob sie nur gegen die Fliegen darauf saßen, konnten wir nicht erfahren.


 

Durch die Porte de la Marina gingen wir zum Fischerhafen. Dort waren lange Tische aufgestellt und man konnte die frischgefangenen Fische, Langusten, Krabben, Tintenfische und vieles mehr dort vor seinen Augen gegrillt, verzehren. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auf den Schmelzkäse und das Fladenbrot verzichtet. Irmgard macht sich nichts aus Fisch, aber ich konnte nicht verzichten, ich aß noch eine Portion gegrillte Crevetten für 20 DH also

4 DM. Herrlich!!!

Kaum aufgegessen, war unsere Zeit schon wieder um, und wir eilten zum Bus. Der war aber nicht da. Wir hatten uns, aber nicht nur wir zwei, sondern noch mehrere aus dem Bus, verlaufen. Der Reiseleiter musste damit aber schon gerechnet haben, er kam herbeigeeilt und dirigierte uns etwa 500 m weiter zu der richtigen Stelle, wo dann auch der Bus schon mit laufendem Motor auf uns wartete.

 
Weiter ging es in Richtung Norden nach Safi, wo wir wieder übernachten sollten. Es gab zwar eine kleine Küstenstraße, aber wir bogen ab ins Landesinnere auf die Hauptstraße, die hoch über dem Meer nach Safi führt. Wieder begleiteten uns die Ölfruchtbäume, und wir konnten auch die kletternden Ziegen bewundern. Danach änderte sich die Landschaft, Thujawald und später Eukalyptusbäume säumten die Straße. 


 

Wir machten noch einmal eine kurze Gesundheitspause im Freien. Wenn hier alle Busse halten, mussten die umliegenden Gebüsche und Felder gut gedüngt sein.
Die Straße führte jetzt durch eine sanfte Hügellandschaft. Hier konnte man aber schon die hohen Essen der Phospatsfabriken von Safi sehen, und wir waren entsetzt. Man sah genau wo diese Fabriken ihr Abwasser ins Meer ließen. Es war eine undurchsichtige, milchige, graugrüne Brühe, die sich da kilometerweit ins Meer ergoss. An Baden im Meer war hier nicht zu denken.
Am interessantesten in Safi fand ich die zum Teil noch holzgefeuerten Töpferöfen. Hier hat sich Marokkos größtes Keramikzentrum angesiedelt, und es wird noch nach jahrhundertealter Tradition getöpfert.

Wirt durften alles besichtigen. Als ich ein Foto von den Arbeiten schoss, kam gleich einer angerannt und wollte Bakschisch. Wir waren die vielen Stufen da hinaufgeklettert und nun sollten wir auch noch zahlen. Sie konnten ja ihre Waren verkaufen, mussten sie uns da auch noch Geld für ein Foto abnehmen? Weiter unten war ein Mann dabei Dachziegel zu brennen, hier durften wir nach Lust und Laune fotografieren, ohne dass der Mann die Hand aufhielt. Dafür bekam er ein freiwilliges Bakschisch von mir. 

Ganz unten wurden wir sogar eingeladen uns das Töpfern anzuschauen, ganz ohne Kosten. Aber die hatten schon einen modernen gasbeheizten Brennofen, das war nicht ganz so interessant.


 

Brennofen 
Glut

Müde von dem ereignisreichen Tag kamen wir dann in unserem Hotel in Safi - im Safir - an. Wieder mußten wir die Anmeldeformulare ausfüllen und bekamen dann unsere Zimmer zugeteilt.

Ich bat an der Rezeption geweckt zu werden und hier klappte es auch wirklich.

Am nächten Morgen fuhren wir weiter in Richtung Casablanca. 

Nördlich von Safi fuhren wir an der Marabout de Sidi-Bouzid vorbei, die wir aber nur im Vorüberfahren betrachten konnten.

Casablanca ist eine moderne Großstadt. Herausragend ist die Grande Mosquée Hassan II. Mit dem Bau dieser herrlichen Moschee hat der „Befehlshaber der Gläubigen“ der hektischen Wirtschaftsmetropole einen spiritistischen Mittelpunkt gegeben. Schon bevor man die Stadt erreicht, sieht man die Moschee von weitem im Meer leuchten. „Allahs Thron war auf dem Wasser“ deshalb wurde die Moschee über das Meer gebaut. 


 

Ansicht der Großen Moschee Hassan II

Leider durften wir sie nur von außen besichtigen, aber eine Postkarte von dem Inneren zeigte, dass man in den Boden der Moschee ein Fenster eingebaut hat, durch das man ins Meer schauen kann. 

Die ganze Anlage ist faszinierend. Schon allein das 200 m hohe weiß-grüne Minarett ist großartig. 


 

Das Minarett, durch einen Bogen gesehen

Die Moschee soll 105 000 Gläubige fassen können und auf dem Platz davor sollen nochmals 800.000 Gläubige beten können. Die Moschee sei aber immer leer, erzählte uns Samir unser Reiseleiter, weil in jedem Stadtteil Moscheen stehen, in die die Leute weiterhin zum Beten gehen.


 

und einige Details


Arkaden um die Moschee
islamische Universität
Der französische Architekt Michel Pinseau zeichnete die Pläne für die Große Moschee Hassan II. Bei ihrer Errichtung waren 90 Ingenieure und 30.000 marokkanische Handwerker und Kunsthandwerker beschäftigt.
Eingeweiht wurde sie im Jahr 1993. In dem Gebäudekomplex befinden sich Bäder, ein Museum und eine Tiefgarage. Ganze Straßenzüge eines ziemlich heruntergekommenen Altstadtviertels wurden abgerissen und die Armen, die dort wohnten in neue Wohnungen eingewiesen. Nachdem wir hier eine Stunde Zeit hatten uns alles (von außen) anzuschauen, ging es weiter mit dem Bus zur Novelle Corniche, wo wir zu Mittag essen sollten.

Da ich unbedingt Gas für mein Feuerzeug brauchte, gingen Irmgard und ich einen Tabakladen suchen. Wir fanden auch einen, und ich kaufte eine Flasche Gas und von jeder Sorte marrokanischen Zigaretten zwei Schachteln. So weiß ich wenn ich mal wieder hier herkomme, welche Zigaretten mir am besten schmecken, denn die gekauften langten bestimmt bis nach Hause.

Auf dem Rückweg betrachteten wir uns das Bade- und Freizeitzentrum Ain-Diab. Die Franzosen haben dort mehrere Meerwasserschwimmbäder in die Felsen hauen lassen. Man kann dort auch sehr schlecht im Meer baden, weil die Küste so felsig ist und der Atlantik doch ziemliche Wellen produziert. 

Dann gingen auch wir in das Lokal. Irmgard bestellte sich ein Coke ich „oh Wunder“ ein Bier. Aber ich hatte so einen Durst und da löscht halt Bier gut. Der Kellner kam mit der Cola, dem Bier und einer Schüssel Pommes. Also brauchten auch wir nicht zu verhungern, denn zum richtig Essen bestellen, war es zu spät.

Wir machten noch einen kurzen Halt an einem großen Platz, hier erwischte ich zwei Wasserverkäufer, die eigentlich nur zum Fotografieren herumlaufen und ordentlich Bakschisch dafür haben wollen, mit dem Teleobjektiv. 


 

Wasserverkäufer

Weiter zu Seite 2